Das Echolot – die Erfindung eines Mecklenburgers in Niederösterreich

Die Spaziergänger am Wiener Neustädter Kanal im niederösterreichischen Mödling werden die Angler in den späten Apriltagen des Jahres 1912 kaum wahrgenommen haben, zu sehr spukte in diesen Tagen ein Thema in den Köpfen der Menschen: Der Untergang der Titanic. Vielleicht haben manche gemerkt, dass einer dieser Angler erfolgreicher als die anderen war. Ganz wenige haben vielleicht sogar gewusst, dass er dies seinen eigenen zahlreichen Erfindungen zu verdanken hat. Aber niemand wird geahnt haben, dass er sich beim Fischen gerade eine Erfindung ausdenkt, die später verhindern wird, dass so etwas wie der Untergang der Titanic noch einmal passiert: Das Echolot.

Alexander Behm, so hieß dieser eine Fischer, wurde 1880 im mecklenburgischen Sternberg geboren. Schon als Kind entdeckte er die Liebe zum Angeln. Ob es daran lag, dass seine Eltern kein Geld für professionelles Equipment hatten oder einfach kein Interesse, den Junior bei einem Hobby, das niemand in der Familie mit ihm teilte, zu unterstützen weiß man heute nicht sicher. Auf jeden Fall begann der kleine Alexander bereits als Kind mit der Erfindung von neuen Fischködern. Besonders fleißiger Schüler war er keiner, was vielleicht auch an seinem Hobby lag. Eine Klasse musste er wiederholen, schließlich verließ er die Schule nach der mittleren Reife und begann eine Lehre als Büchsenmacher, die er ebenfalls ohne Abschluss abbrach, während der er jedoch schon eine wissenschaftliche Arbeit über die Batterie veröffentlichte.

In Karlsruhe bekam er 1902 dennoch die Gelegenheit, ohne höhere Reife studieren zu dürfen. Zusammen mit dem damaligen Universitätsassistenten Dr. Hermann Sieveking entwickelte er dort den Sonometer, ein Gerät zur Schallstärkenmessung.

1905 heiratete Alexander Behm und zog ins niederösterreichische Mödling, wo ihm die Stelle eines Leiters der Versuchsanstalt eines Kalksteinwerks angeboten wurde. Auch in Mödling blieb er seinem Hobby, der Fischerei, treu und erfand weitere Fischköder, wie die nach ihm benannte Behmfliege.

Am 15. April 1912 war dann schließlich der Schicksalstag an dem über 1.500 Menschen in Folge des Untergangs der Titanic starben. Mit ihnen starb auch die unbeschränkte Euphorie über den technischen Fortschritt und wohl bei vielen Menschen der persönliche Traum eines besseren Lebens in den USA. Auch Alexander Behm dürfte persönlich schwer erschüttert gewesen sein. Als Erfinder aus Leib und Seele dürfte das Unglück jedoch nicht seinen Glauben an die Technik zerstört haben, sondern erst Recht den Wunsch, solche Katastrophen zukünftig mittels Technik zu verhindern. Wie es die Legende erzählt soll ihm beim Fischen am Wiener Neustädter Kanal die Idee gekommen sein, seine Erfindung des Sonometers als Grundlage für ein System zur Tiefenmessung in Meeren zu schaffen, das später als Echolot bekannt werden sollte. Bald erfolgte in Wien seine „Patentanmeldung in Österreich betr. Gerät zur Messung der Meerestiefen durch Schallreflektion“ und Behm erlebte seinen persönlichen Rückschlag: Sein Patent wurde abgelehnt.

Da wohl weder der Wiener Neustädter Kanal noch die weiter nördlich fließende Donau die Gelegenheit geboten hätten, seine theoretische Erfindung in die Praxis umzusetzen, zog Behm nach Schleswig-Holstein, wo er das Echolot nicht nur zur Serienreife entwickelte, sondern auch selbst produzierte. Nebenbei produzierte das Werk auch zahlreiche Erfindungen Behms auf dem Gebiet des Angelns.

Später erfand er noch das Luftlot, einen Vorläufer des Radars. 1928 wurden Behm, der weder Schule, Lehre noch Studium abgeschlossen hatte, das Ehrendoktorrat der Universität Kiel verliehen.

Seine Leidenschaft für das Angeln soll ihm bis ans Lebensende geblieben sein. Von seinen über 100 (gewährten) Patenten bezogen sich nicht wenige auf das Angeln.

1952 starb Alexander Behm an den Folgen seiner schweren Diabetes in Kiel.

Weitere Informationen zu Alexander Behm auf Wikipedia
Website über Alexander Behm

Hinweis: die untenstehende Karte zeigt teilweise nur die Ortsmitten der wichtigsten Stationen in Alexander Behms Leben, da die genauen Adressen seiner Wirkungs- und Lebensorte nicht immer nachvollziehbar waren.

Stephan

Stephan

Werbegrafiker, Webdesigner und Fotograf, aufgewachsen und wohnhaft in Krems/Donau (Niederösterreich). Hauptberuflich im Marketing eines Handelsunternehmens tätig. Vater eines Sohnes (geboren 2013). Liebt Wandern und Ausflüge in Niederösterreich und Reisen nach Mecklenburg-Vorpommern.

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